Heisser Pool-Nachmittag
Es gibt viele Sexgeschichten am Pool, die von großen Partys erzählen, von Cocktails und lauter Musik und einem ganzen Rudel nackter Körper im Wasser. Meine ist stiller. Meine handelt von einem einzigen glühenden Nachmittag, von einem menschenleeren Innenhof und von einem Mann, der eigentlich nur seine Bahnen ziehen wollte — bis wir beide vergaßen, wozu ein Pool eigentlich da ist.
Ich heiße Nadine, ich bin dreiunddreißig, und ich wohne seit dem Frühjahr in einer dieser ruhigen Wohnanlagen mit einem gemeinschaftlichen Pool im Innenhof. Ein rechteckiges Becken, ein paar Liegen, hohe Hecken ringsherum. An Werktagen um drei Uhr nachmittags ist dort nie jemand. Dachte ich.
Der leere Innenhof
Es war einer dieser Tage Ende Juli, an denen die Luft flimmert und der Asphalt weich wird. Ich hatte frei, das Homeoffice zugeklappt, und die Hitze in meiner Wohnung war nicht mehr auszuhalten. Also nahm ich ein Handtuch, schlüpfte in einen dünnen Bikini und ging hinunter in den Hof.
Ich war überzeugt, den Pool für mich allein zu haben. Deshalb erschrak ich fast, als ich die Hecke passierte und ihn sah: einen Mann, der mit langen, ruhigen Zügen durch das Wasser glitt. Breite Schultern, kurzes dunkles Haar, das nass an seinem Kopf klebte. Er zog Bahn um Bahn, so gleichmäßig, dass ich einen Moment einfach stehen blieb und zusah, wie das Wasser über seinen Rücken lief.
Er hieß Jonas. Wir waren uns im Treppenhaus schon zweimal begegnet, ein Nicken, ein „Schönen Tag noch”, mehr nicht. Ich wusste, dass er zwei Türen weiter wohnte, dass er allein wohnte und dass er ein Lächeln hatte, das eine Sekunde zu lang blieb.
Als er mich bemerkte, hielt er inne, strich sich das Wasser aus dem Gesicht und lehnte sich am Beckenrand auf die Unterarme. „Ich dachte, um die Zeit hab ich hier immer meine Ruhe”, sagte er und grinste. „Störe ich?”
„Nein”, sagte ich und legte mein Handtuch über die Liege. „Ich dachte genau dasselbe.”
Ich spürte seinen Blick, als ich mich am Rand hinsetzte und die Beine ins Wasser gleiten ließ. Es war kühl, angenehm, und die Sonne brannte mir warm in den Nacken. Ein seltsam intimer Moment: zwei Menschen, ein leeres Becken, kein Laut außer dem Plätschern und dem fernen Summen einer Klimaanlage.
Wärmer als das Wasser
„Kommst du nicht rein?”, fragte Jonas. „Das Wasser ist genau richtig.”
Ich glitt ins Becken. Das Wasser schloss sich kühl um meine erhitzte Haut, und ich seufzte unwillkürlich. Wir schwammen ein paar Bahnen nebeneinander, redeten über nichts Wichtiges — über die Hitze, über die Nachbarn, über die Tatsache, dass hier tagsüber nie jemand war. Aber während wir redeten, kamen wir uns näher, ganz unmerklich, bis wir beide am flachen Ende standen und das Wasser uns nur noch bis zur Brust reichte.
Er stand nah. Näher, als es zwei Nachbarn tun würden, die sich über das Wetter unterhalten. Ich sah die Wassertropfen auf seinen Schultern, an seinem Hals, und ich merkte, dass mein Herz schneller schlug, als das Schwimmen es rechtfertigte.
„Du siehst mich die ganze Zeit an”, sagte ich leise. Es war keine Beschwerde.
„Ja”, sagte er, ohne auszuweichen. „Seit du durch die Hecke gekommen bist.”
Die Luft zwischen uns wurde dicht. Ich hätte einen Schritt zurücktreten können. Ich tat es nicht. Stattdessen legte ich, fast von selbst, eine Hand auf seine Brust, spürte, wie warm seine Haut trotz des kühlen Wassers war, wie sein Herz darunter schlug — genauso schnell wie meins.
Er hob eine Hand aus dem Wasser und strich mir eine nasse Strähne aus dem Gesicht. Seine Finger blieben an meiner Wange. „Sag mir, wenn ich mich täusche”, sagte er heiser.
„Du täuschst dich nicht”, flüsterte ich.
Dann küsste er mich. Erst vorsichtig, ein Fragen mehr als ein Kuss. Und als ich mich in ihn hineinlehnte, wurde daraus etwas anderes, etwas Hungriges. Seine Hände glitten an meinem nassen Rücken hinab, zogen mich an sich, und ich spürte durch den dünnen Stoff seiner Badehose, wie sehr er mich wollte. Ich stöhnte leise in den Kuss, und das Wasser um uns schien plötzlich viel zu kühl für das, was in mir loderte.
Am Beckenrand
Wir taumelten rückwärts, bis mein Rücken den warmen Beckenrand berührte. Jonas’ Mund wanderte an meinem Hals hinab, und seine Hände fanden die Verschlüsse meines Bikinis. Er sah mich fragend an, und ich nickte — mehr als das, ich wollte es, dringender als lange etwas.
Das Oberteil löste sich und trieb neben uns im Wasser. Er hielt einen Moment inne und sah mich an, als könnte er sein Glück nicht fassen, und dann senkte er den Kopf und nahm eine meiner Brustwarzen in den Mund. Die kühle Luft, seine warme Zunge, der Kontrast ließ mich aufkeuchen. Ich vergrub die Finger in seinem nassen Haar und zog ihn fester an mich, während das Wasser sanft gegen uns schwappte.
Seine Hand glitt zwischen meine Beine, schob den dünnen Stoff zur Seite. Als seine Finger mich fanden, entfuhr mir ein Laut, den ich im leeren Hof viel zu laut fand — und der mir gerade deshalb einen zusätzlichen Schauer über den Rücken jagte. Draußen, unter freiem Himmel, wo theoretisch jederzeit jemand durch die Hecke treten konnte. Der Gedanke machte alles schärfer, heißer, dringlicher.
„Nicht hier im Wasser”, murmelte er an meinem Ohr. „Komm.”
Er zog mich zur flachen Stufe, dorthin, wo das Becken sich zur breiten Einstiegstreppe öffnete. Er setzte sich auf die oberste Stufe, halb im Wasser, halb in der Sonne, und zog mich zu sich. Ich streifte den letzten Rest Bikini ab und ließ ihn ans Ufer treiben. Nackt in der prallen Nachmittagssonne, mit dem Wasser, das um unsere Beine gluckste, fühlte ich mich freier, als ich mich seit Ewigkeiten gefühlt hatte.
Sonne auf nasser Haut
Ich setzte mich rittlings über ihn, und für einen Augenblick hielten wir beide inne — Stirn an Stirn, sein Atem an meinem Mund, die Sonne heiß auf meinem Rücken. Dann ließ ich mich langsam auf ihn sinken, und wir stöhnten beide zugleich. Er füllte mich vollkommen aus, und ich musste einen Moment stillhalten, nur atmen, nur fühlen.
„Du fühlst dich unglaublich an”, flüsterte er mit belegter Stimme, die Hände fest an meinen Hüften.
Ich begann mich zu bewegen, langsam zuerst, ein Auf und Ab, bei dem das Wasser um unsere verbundenen Körper schwappte. Seine Hände lagen an meinen Hüften und führten mich, ohne zu drängen. Ich stützte mich an seinen Schultern ab, warf den Kopf in den Nacken und ließ die Sonne auf mein Gesicht scheinen, während ich das Tempo Stück für Stück steigerte.
Jonas beugte sich vor und nahm wieder meine Brust in den Mund, und die Doppelung — er in mir, seine Zunge an meiner Haut — trieb mich höher, als ich erwartet hatte. Ich hörte mich selbst stöhnen, hemmungslos, und diesmal kümmerte mich der leere Hof nicht mehr. Sollte die ganze Welt hören, was wir taten. Die Vorstellung, dass jemand kommen könnte, verwandelte sich in einen dunklen, süßen Nervenkitzel, der jeden Nerv in mir zum Klingen brachte.
„Nadine”, keuchte er, „ich halte nicht mehr lange durch, wenn du so weitermachst.”
„Dann halt nicht durch”, flüsterte ich an seinem Ohr und bewegte mich schneller.
Er packte fester zu, zog mich in seinem Rhythmus auf und ab, und die Stufe unter uns, das gluckernde Wasser, die brennende Sonne — alles verschmolz zu einem einzigen heißen Puls. Ich spürte, wie die Welle in mir anschwoll, wie sie von tief unten heraufkroch, und als sie mich erreichte, brach sie über mir zusammen wie das Wasser über dem Beckenrand. Ich schrie leise auf, klammerte mich an ihn, und mein Zittern riss ihn mit — er stieß ein letztes Mal tief in mich, presste sein Gesicht an meine Schulter und kam mit einem heiseren Laut, der mir wie ein warmer Schauer über den Rücken lief.
Was vom Nachmittag blieb
Wir blieben, wo wir waren, atemlos, ineinander verschlungen auf der breiten Stufe, während das Wasser uns langsam wieder abkühlte. Über uns kein Laut außer unserem eigenen Atem und dem leisen Plätschern. Er lachte irgendwann leise, ungläubig, das Gesicht noch an meinem Hals.
„Das”, sagte er, „hatte ich nicht auf dem Plan, als ich schwimmen kam.”
„Ich auch nicht”, sagte ich und strich ihm das nasse Haar aus der Stirn. „Aber ich bereue keine Sekunde.”
Wir glitten zurück ins kühle Wasser, fischten unsere verstreuten Sachen aus dem Becken und legten uns danach nebeneinander in die Sonne, Schulter an Schulter, die Haut noch feucht und heiß zugleich. Wir redeten leise, planten nichts, versprachen nichts. Es musste nichts geplant werden.
Aber als er später aufstand, um zu gehen, drehte er sich in der Hecke noch einmal um. „Ich schwimme öfter mittwochs um drei”, sagte er mit diesem Lächeln, das eine Sekunde zu lang blieb. „Nur, dass du es weißt.”
Ich lag noch lange dort, spürte die Sonne auf meiner Haut und das feine Nachbeben in mir, und lächelte in den Himmel. Denn eins war sicher: Der nächste Mittwoch um drei würde ganz sicher nicht mehr fürs Schwimmen reserviert sein.
Und so wurde aus einem menschenleeren Innenhof und einem viel zu heißen Nachmittag der Anfang von etwas, das ich bis heute nur mit einem Wort beschreiben kann: unwiderstehlich.
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