Frisch 18 und neugierig
Frisch achtzehn zu sein und neugierig — das klingt nach einem Klischee, bis man es selbst ist. Bis man in einem Sommer steht, in dem zum ersten Mal niemand mehr fragt, wann man nach Hause kommt, und merkt, dass die Neugier keine Phase ist, die man durchlebt, sondern ein Hunger, den man endlich stillen darf.
Ich heiße Mia. Ich war frisch achtzehn, das Abi gerade in der Tasche, und ich war in dem Sommer in meine erste eigene Wohnung gezogen — ein Apartment am Rand der Stadt, ein Zimmer, eine Küchenzeile, ein Balkon zum Innenhof. Und das hier ist die Geschichte davon, wie ich in diesem Sommer aufhörte, mir meine Neugier zu verbieten.
Der erste Sommer, der nur mir gehörte
Es gibt diesen Moment, wenn die Schulzeit vorbei ist und der Ernst des Lebens noch ein bisschen wartet, an dem die Tage plötzlich weit werden. Keine Prüfungen mehr, kein Elternhaus, in dem jemand fragt, warum man erst um drei nach Hause kommt. Nur ich, ein Schlüssel, der nur zu meiner Tür passte, und ein Sommer, der sich anfühlte wie eine offene Tür in einen Raum, den ich noch nicht kannte.
Die Hitze in dem Jahr war unerträglich. Nachts lag ich auf dem Laken, ohne Decke, das Fenster weit offen, und hörte die Stadt atmen — ein fernes Auto, Stimmen vom Balkon nebenan, das Summen des Kühlschranks. Ich war frisch achtzehn und so neugierig auf alles, dass es fast weh tat. Neugierig, wer ich sein würde, jetzt, wo mich niemand mehr kannte. Neugierig auf meinen eigenen Körper, auf das, was er wollte, wenn ich ihm einmal nicht sagte, dass er still sein soll.
In dem Wohnhaus gab es einen kleinen Pool im Innenhof, kaum größer als ein Wohnzimmer, aber in dem Sommer war er mein Rettungsanker. Ich ging spät hin, wenn die Familien mit ihren Kindern längst weg waren und nur das Unterwasserlicht den Hof türkis färbte. Dort lernte ich Jan kennen.
Er wohnte im Haus gegenüber, war Ende zwanzig, arbeitete in irgendetwas mit Architektur — und er war der Erste, der mich ansah wie eine Frau und nicht wie das Mädchen, das ich bis vor Kurzem gewesen war. Er saß am Beckenrand, die Füße im Wasser, ein Bier neben sich, und als ich das erste Mal spät zum Schwimmen kam, sah er nur kurz auf und nickte, als wäre es das Normalste der Welt, dass jemand um Mitternacht seine Bahnen zieht.
Die Nächte am Pool
Wir redeten erst nicht viel. Ich schwamm, er saß da, und zwischen uns lag dieses freundliche Schweigen von zwei Menschen, die beide nicht schlafen konnten. Aber ich spürte seinen Blick, wenn ich aus dem Wasser stieg, das Haar nach hinten strich, das Wasser über meine Schultern lief. Und ich merkte, dass ich diesen Blick mochte. Dass ich anfing, ihn zu suchen.
Frisch achtzehn und neugierig — das hieß auch, zum ersten Mal auszuprobieren, wie es sich anfühlt, gewollt zu werden, und es zuzulassen. Ich hatte in der Schulzeit ein paarmal geknutscht, mehr aus Neugier als aus Verlangen, immer unter Beobachtung, immer mit halbem Herzen. Das hier war anders. Hier fragte niemand. Hier war nur die warme Nacht, das leise Platschen des Wassers und ein Mann, der mich ansah, als würde er sich merken, wie ich aussehe.
Eines Abends setzte ich mich neben ihn an den Beckenrand, die Beine im Wasser, so nah, dass sich unsere Knie fast berührten.
„Du kommst jeden Abend”, sagte er.
„Du auch”, sagte ich.
Er lachte leise. „Kann nicht schlafen bei der Hitze.”
„Ich auch nicht.” Ich sah ihn von der Seite an, das Kinn, den Bartschatten, die Art, wie er das Bier hielt. „Aber ich glaube, das ist nicht nur die Hitze.”
Er drehte den Kopf und sah mich an, lange, und zum ersten Mal wich ich seinem Blick nicht aus. Etwas in mir, das lange still gehalten hatte, streckte sich. „Nein”, sagte er ruhig. „Ist es nicht.”
Meine Neugier war größer als meine Nervosität. Das war das Neue an diesem Sommer: dass ich anfing, dem Kribbeln zu folgen, statt es wegzudrücken. Ich lehnte mich einen Zentimeter näher, und als er die Hand hob und mir eine nasse Strähne aus dem Gesicht strich, hielt ich still und ließ es geschehen.
„Wie alt bist du eigentlich?”, fragte er leise, und ich hörte, dass es ihm ernst war.
„Achtzehn”, sagte ich. „Frisch. Und bevor du fragst — ja, ich weiß, was ich will.”
Er sah mich noch einen Moment an, prüfend, dann nickte er. „Dann sag es mir.”
Was ich wollte
Ich wollte alles ausprobieren, wofür bisher nie Zeit, nie Ort, nie Ruhe gewesen war. Aber statt es zu sagen, stand ich auf, nahm seine Hand und zog ihn hoch. „Nicht hier”, flüsterte ich. „Bei mir.”
In meiner Wohnung war es dunkel und warm, und der Balkon stand offen. Ich ließ das Licht aus. Kaum hatte ich die Tür hinter uns geschlossen, drehte er mich um und küsste mich — nicht hastig, nicht gierig, sondern langsam, als hätten wir alle Zeit der Welt. Seine Hände lagen an meiner Taille, noch über dem feuchten Bikini, und ich spürte, wie meine Haut unter seinen Fingern zu prickeln begann.
„Sag mir, wenn du willst, dass ich aufhöre”, murmelte er an meinen Lippen.
„Ich will nicht, dass du aufhörst”, sagte ich, und meine eigene Stimme überraschte mich, so fest, so sicher.
Er löste den Knoten meines Bikinioberteils, ganz langsam, und ließ es zu Boden fallen. Die warme Nachtluft strich über meine nackte Haut, und als seine Handflächen meine Brüste umschlossen, seine Daumen über die harten Spitzen strichen, entkam mir ein Laut, den ich noch nie gemacht hatte. Er küsste sich meinen Hals hinunter, über mein Schlüsselbein, nahm eine Brustwarze in den Mund, und ich krallte die Finger in seine Schultern und hörte mich selbst atmen, schwer und schnell.
Alles war neu — und genau das machte mich fast wahnsinnig. Jede Berührung war die erste ihrer Art. Als seine Hand in meine Bikinihose glitt und seine Finger fanden, wie feucht ich schon war, stöhnte er leise gegen meine Haut.
„So neugierig”, flüsterte er, und es klang nicht spöttisch, sondern wie ein Kompliment. „Und so bereit.”
Ich zog ihn zum Bett, ungeduldig jetzt, und er zog mir die letzte Bikinihose über die Hüften. Ich lag nackt vor ihm in der Dunkelheit, das Herz raste, aber es war kein Fluchtinstinkt — es war reine, glühende Neugier darauf, was als Nächstes kam. Er kniete sich zwischen meine Beine, sah mich an, und ich nickte. Dann senkte er den Kopf.
Als seine Zunge mich zum ersten Mal fand, bäumte ich mich auf. Niemand hatte das je bei mir gemacht. Er nahm sich Zeit, kreiste langsam, spürte genau, was mich höher schob, und ich hielt mich am Laken fest, presste die Fersen ins Bett und ließ Geräusche zu, die ich immer für mich behalten hatte. Es baute sich auf, langsam, unaufhaltsam, eine Welle, die ich noch nie so hoch hatte steigen lassen — und als ich kam, kam ich lauter, als ich je gedacht hätte, dass ich könnte, die Hüften ihm entgegen, seinen Namen halb auf den Lippen.
Meine Regeln, mein Tempo
Danach lag ich einen Moment da, atemlos, und lachte leise in die Dunkelheit — nicht verlegen, sondern weil ich zum ersten Mal begriff, wie viel ich verpasst hatte, indem ich meiner eigenen Neugier immer die Tür vor der Nase zugeschlagen hatte.
„Alles gut?”, fragte er und legte sich neben mich.
„Mehr als gut”, sagte ich. Ich drehte mich zu ihm, fuhr mit der Hand über seine Brust, tiefer, und spürte, wie hart er war, wie sehr ihn das eben mitgenommen hatte, ohne dass er selbst etwas bekommen hatte. Die Vorstellung, dass ich das ausgelöst hatte, ließ eine neue Hitze in mir aufsteigen.
„Ich will mehr”, sagte ich. „Ich will alles wissen.”
Er suchte in seiner Hose nach einem Kondom — und dass er selbstverständlich eins dabeihatte, ohne dass ich fragen musste, machte mich noch sicherer, dass ich hier richtig lag. Ich sah zu, wie er es überstreifte, und dann zog ich ihn über mich.
Er ging langsam, achtete auf jedes Zeichen, und ich war so bereit, dass es kaum ein Widerstand war, nur ein tiefes, volles Gefühl, das mir den Atem nahm. Ich grub die Nägel in seinen Rücken und passte mich seinem Rhythmus an, und schnell fand ich heraus, dass ich es mochte, mitzubestimmen — die Hüften zu heben, wenn ich es tiefer wollte, ihn zu bremsen, wenn ich es länger auskosten wollte.
„Langsam”, flüsterte ich einmal, und er wurde langsamer. „Jetzt”, sagte ich später, und er gab mir mehr. Es war meine Neugier, die führte, und er ließ sie führen. In dem Sommer lernte ich, dass gewollt zu werden schön war — aber selbst zu wollen, laut und ohne Entschuldigung, das war das eigentlich Berauschende.
Als es mich zum zweiten Mal überrollte, hielt er inne, tief in mir, und sah mir dabei zu, wie ich zerfiel, und dieser Blick — als wäre ich das Interessanteste, das er je gesehen hatte — schob mich noch höher. Kurz darauf folgte er mir, das Gesicht in meiner Halsbeuge, ein raues Stöhnen an meiner Haut.
Was von dem Sommer blieb
Wir lagen lange wach danach, die Balkontür offen, die warme Luft über unseren feuchten Körpern. Er blieb bis zum Morgen, und wir redeten über Dinge, die nichts mit dem zu tun hatten, was gerade passiert war — über die Stadt, über meine Pläne, über die Musik, die aus einem offenen Fenster gegenüber kam. Es war leicht. Nichts war schwer an diesem Sommer.
Es wurde kein großes Drama, keine erste große Liebe. Jan und ich trafen uns in den Wochen danach noch ein paarmal, spät, am Pool, in meiner Wohnung, immer ohne Versprechen und ohne Erwartungen. Am Ende des Sommers zog er in eine andere Stadt, und wir verabschiedeten uns ohne Tränen, mit einem langen Kuss und der stillen Gewissheit, dass es genau richtig gewesen war, wie es war.
Was blieb, war nicht er. Was blieb, war ich. Frisch achtzehn und neugierig zu sein hatte ich immer für etwas gehalten, das man überwinden muss, ein peinliches Zwischenstadium auf dem Weg zum Erwachsensein. In diesem Sommer lernte ich, dass es das Gegenteil ist. Dass die Neugier das Beste an einem sein kann — wenn man endlich aufhört, sie sich zu verbieten, und ihr durch die offene Tür folgt, um herauszufinden, was dahinterliegt.
Ich habe in dem Sommer viel über mich gelernt. Und das Wichtigste war: Ich wollte immer mehr wissen. Und ich hörte auf, mich dafür zu entschuldigen.
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