Hotwife – Teil 2: Der Urlaub eskaliert
Nach jener ersten Nacht hatten Tobias und ich uns geschworen, es dabei zu belassen. Ein einziges Mal, hatten wir gesagt, ein Türspalt, durch den wir gemeinsam gesehen hatten und den wir jetzt wieder schließen würden. Doch die Wahrheit über solche Türen ist die: Wenn man einmal hindurchgesehen hat, lässt sich das Bild nicht mehr auslöschen. Und als wir das Flugticket in die Türkei buchten, wussten wir beide längst, dass wir uns belogen hatten.
Zwei Wochen weit weg von zuhause
Ich heiße Nina, bin einunddreißig, und ich hatte in jener ersten Nacht gelernt, dass mein Mann feuchte Augen bekommt, wenn ein anderer Mann mich ansieht. Wir waren danach anders zueinander. Zärtlicher, offener — und aufgeladen mit etwas, das wir zuhause nicht mehr aussprachen, weil es zu groß geworden war für unser Schlafzimmer.
Der Urlaub war Tobias’ Idee. „Zwei Wochen, in denen uns keiner kennt”, hatte er gesagt, und ich hatte gehört, was wirklich in dem Satz steckte. Ein Ort ohne Nachbarn, ohne Kollegen, ohne das Risiko, dass jemand etwas mitbekommt. Ein Ort, an dem eine Hotwife einfach eine Frau am Pool sein durfte, mit einem Ehering und einem Blick, der weiter reichte als der Ring.
Am ersten Abend standen wir auf dem Balkon unserer Suite, das Meer war nur ein dunkles Rauschen, und Tobias legte die Arme von hinten um mich. „Ich hab dir was mitgebracht”, murmelte er an meinem Ohr und drückte mir einen kleinen Bikini in die Hand. Weiß, knapp, fast durchsichtig, wenn er nass wurde. „Für morgen. Am Pool.”
Ich drehte mich zu ihm um. „Damit du zusiehst, wie sie schauen?”
„Damit ich sehe, wen du aussuchst”, sagte er leise, und ich spürte durch seine Shorts, dass ihn allein der Gedanke schon hart machte.
Der Blick am Pool
Am nächsten Mittag lag ich auf der Liege, das weiße Dreieck spannte über der Haut, und ich wusste nach zwanzig Minuten, dass Tobias recht behalten würde. Sie schauten. Diskret, über den Rand von Sonnenbrillen, aus dem Schatten der Bar. Ich lag in der Sonne, spürte die Blicke wie warme Finger auf mir und wusste die ganze Zeit, dass zwei Liegen weiter mein Mann jeden dieser Blicke mitzählte.
Und dann war da einer, der nicht nur schaute.
Er kam aus dem Wasser, groß, dunkelhäutig gebräunt, das Wasser lief ihm über die Schultern, und er sah mich an, ohne den Blick zu senken, als ich ihn ertappte. Kein plumpes Grinsen. Nur ein ruhiges, sicheres Ansehen, das fragte, ohne zu betteln. Ich hielt seinem Blick stand, länger als schicklich, und ließ dann bewusst die Augen zu Tobias wandern — damit der Fremde begriff, dass da ein Mann war, der dazugehörte. Der Fremde folgte meinem Blick, verstand, und lächelte. Nicht weniger. Mehr.
Am Abend saßen wir alle drei an der Bar, als hätte es der Zufall so gefügt. Er hieß Marco, war Italiener, allein hier, und er tat genau das, was der Erste in unserer Geschichte damals nicht getan hatte: Er redete mit Tobias. Fragte ihn nach uns, nach unserer Reise, hörte zu. Und erst als Tobias unter dem Tisch nach meiner Hand griff und sie leicht drückte — unser Zeichen, das wir vor Jahren für ganz andere Dinge erfunden hatten —, wusste ich, dass mein Mann Ja sagte.
„Wir haben eine Suite mit einem sehr schönen Balkon”, sagte ich zu Marco, und meine Stimme war ruhiger als mein Puls. „Mein Mann sitzt gern dabei.”
Marco sah von mir zu Tobias, langsam, prüfend. „Dabei”, wiederholte er.
„Er sieht zu”, sagte ich. „Nur zu. Das ist die Regel.”
Etwas in Marcos Blick wurde dunkler, wärmer. Er hob sein Glas in Tobias’ Richtung, ein kleiner, respektvoller Gruß. „Dann sitzt du gut”, sagte er zu meinem Mann. Und Tobias, der zuhause kaum ein Wort über all das herausbrachte, nickte mit glänzenden Augen.
Auf dem Balkon, unter Sternen
In der Suite roch es nach Sonnencreme und Meer. Tobias setzte sich auf den Sessel am offenen Balkonfenster, so wie er es beim ersten Mal auf dem Stuhl getan hatte, die Hände auf den Knien, als müsste er sie festhalten, um sie stillzuhalten. Marco stand vor mir, langsam, ohne Eile, und zog den Knoten meines Bikinis im Nacken auf, während er mir in die Augen sah.
„Sag mir, wenn du willst, dass ich aufhöre”, murmelte er.
„Ich will nicht, dass du aufhörst”, sagte ich, und hinter mir hörte ich Tobias’ Atem gehen, schnell und flach.
Marcos Hände waren größer als die meines Mannes, wärmer, und sie nahmen sich Zeit. Er küsste meinen Hals, meine Schulter, ließ das weiße Oberteil zu Boden fallen und legte die Handflächen über meine Brüste, bis mir ein Laut entfuhr, den ich nicht zurückhalten konnte. Ich sah über seine Schulter zu Tobias. Mein Mann hatte sich nicht bewegt. Aber seine Augen waren riesig, und ich sah, wie er hart wurde, allein vom Zusehen.
„Sieh ihn dir an”, flüsterte ich Marco zu. „Er liebt das. Er liebt es, dass du mich anfasst.”
Marco lächelte an meiner Haut, drehte mich mit einer sanften Selbstverständlichkeit herum, sodass ich Tobias direkt ansah, und ließ seine Hand von meinem Bauch nach unten gleiten, unter den letzten weißen Stoff. Als seine Finger mich fanden, war ich so nass, dass er kurz innehielt und leise lachte. „Du auch”, sagte er nur.
Ich kam fast im Stehen, die Augen auf meinem Mann, Marcos Finger in mir und seine andere Hand fest um meine Hüfte. Ich hörte Tobias stöhnen, ein hilfloses, dunkles Geräusch, und wusste, dass er sich am liebsten selbst berührt hätte — aber die Regel war die Regel, und er hielt sich daran, die Fäuste auf den Knien, zitternd vor Beherrschung.
Was Tobias diesmal sehen durfte
Beim ersten Mal, zuhause, hatte Tobias nur zusehen dürfen — von der anderen Seite des Raums, im Halbdunkel. Diesmal hatte ich mir etwas vorgenommen, und ich hatte es Marco an der Bar in einem Satz erklärt.
Ich führte Marco zum Bett, das direkt am offenen Fenster stand, sodass die warme Nachtluft hereinkam und die Sterne über dem Meer zu sehen waren. Dann sah ich zu Tobias und sagte das, worauf er seit Wochen gewartet hatte, ohne es je auszusprechen: „Rück näher, mein Liebster. Ich will, dass du sein Gesicht siehst, wenn er in mich kommt. Und ich will dein Gesicht sehen.”
Tobias trug seinen Sessel ans Fußende des Betts, keinen Meter entfernt. Marco zog das Kondom über — kommentarlos, selbstverständlich, denn auch das war die Regel, und ein Mann, der Regeln respektiert, war der Einzige, den ich an mich ließ. Dann legte er sich über mich, langsam, und als er in mich glitt, sah ich meinem Mann in die Augen.
Ich habe in diesem Moment verstanden, was das eigentlich ist, was manche Hotwife Geschichten nie einfangen: Es geht nicht darum, den Ehemann zu betrügen oder zu ersetzen. Es geht um genau diesen Blick. Um die Art, wie Tobias mich ansah, während ein anderer Mann mich nahm — nicht mit Schmerz, sondern mit einer Anbetung, die tiefer ging als alles, was ich in acht Jahren Ehe gesehen hatte. Ich gehörte in diesem Moment mehr ihm als je zuvor, gerade weil ich unter einem anderen lag.
Marco bewegte sich in einem langsamen, tiefen Rhythmus, und ich hielt mit jedem Stoß Tobias’ Blick. „Sieh mich an”, flüsterte ich meinem Mann zu, außer Atem. „Ich lass mich für dich nehmen. Nur für dich.” Marco stieß fester zu, als er das hörte, und ich krallte die Finger in das Laken, mein Rücken bog sich, und ich hörte mich Dinge sagen, die ich zuhause nie gesagt hatte.
Ich sah Tobias an und wusste, dass er kurz davor war, allein vom Zusehen. „Noch nicht”, sagte ich zu ihm, mit letzter Beherrschung. „Warte auf mich.”
Als ich kam, kam ich laut, mit dem Namen meines Mannes auf den Lippen und dem Körper eines Fremden über mir, und ich spürte Marco kurz darauf erschauern und stillhalten. Erst dann sah ich zu Tobias und sagte das eine Wort, das er brauchte: „Jetzt.”
Danach, in der warmen Nacht
Marco war ein Gentleman bis zum Schluss. Er küsste meine Schulter, nickte Tobias respektvoll zu — dieser stille Gruß von der Bar, jetzt zwischen zwei Männern, die etwas geteilt hatten — und ließ uns allein. Keine Nummern, keine Versprechen. So hatten wir es gewollt.
Tobias legte sich zu mir aufs Bett, noch atemlos, und zog mich an sich. Eine Weile sagte keiner von uns etwas. Die Vorhänge bewegten sich in der Meeresbrise, und irgendwo unten spielte leise Musik.
„Beim ersten Mal”, sagte Tobias schließlich, „hatte ich Angst, dass ich dich danach verliere.”
„Und jetzt?”, fragte ich.
Er drehte sich zu mir, und in seinem Gesicht war keine Angst mehr, nur diese ruhige, satte Gewissheit. „Jetzt weiß ich, dass es umgekehrt ist. Ich hab dich noch nie so sehr gehabt wie heute Abend.”
Ich legte meine Hand auf seine Brust und spürte sein Herz, das endlich wieder ruhig schlug. Wir hatten uns geschworen, die Tür wieder zu schließen. Aber an diesem Abend, in einer fremden Stadt am Meer, verstanden wir beide zum ersten Mal ohne Angst, dass diese Tür für uns nie wieder ganz zugehen würde — und dass wir sie nicht mehr schließen wollten.
Wir blieben noch elf Nächte in der Türkei. Nicht jede war wie diese. Aber wir waren, als wir zurückflogen, nicht mehr dasselbe Paar, das gekommen war. Wir waren endlich das Paar geworden, das wir längst insgeheim waren — und wir waren, zum ersten Mal seit acht Jahren, vollständig ehrlich miteinander. Ganz und gar. Und ganz und gar einander.
Fortsetzung folgt
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